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Bin ich Alkoholiker? Sucht ist eine Wahl!

Wir hatten das grosse Glück, dass Dr. Luc Isebaert jahrelang an unseren Institut doziert hat. Immer wieder gerne denken wir an seine wertvollen Inputs zurück. Hier folgt gerne ein Artikel, den er für uns verfasst hat.

Die Frage, ob jemand Alkoholiker ist, ist eine wichtige aber sinnlose Frage. Warum sinnlos? Weil man auf diese Frage eigentlich nur eine Antwort geben kann: Ein Alkoholiker ist jemand, der zu viel trinkt. Die Antwort bringt uns also keinen Schritt weiter.
Was ist dann „zu viel trinken“? Die Weltgesundheitsorganisation hat folgende Norm festgelegt: Männer dürfen nicht mehr als 21 Gläser Alkohol pro Woche trinken, Frauen dürfen nicht mehr als 14 Gläser Alkohol pro Woche trinken.

Die Probleme eines Alkoholikers:
Es gibt eigentlich zwei Sorten Probleme:

  • Zuerst ist da das Problem der Gewöhnung, der Versklavung selbst.
  • Danach kommen die Folgen des Alkoholkonsums.

Trinken ist eine psychologische Gewohnheit. Wie jede Gewohnheit kann man sie ändern. Denn es ist eine Gewohnheit, die an bestimmte Umstände gebunden ist.

Wir haben nicht 24 Stunden am Tag ein unentrinnbares Verlangen nach Alkohol. Das Verlangen ist immer gebunden an eine bestimmte Situation. Wir können an unsere Stammkneipe denken, an unser Lieblingsgericht mit einer guten Flasche Wein dazu. Wir bekommen dann Lust zu trinken. Wir haben das ‚Verlangen‘ selbst wachgerufen. Aber wenn wir es selbst abrufen können, können wir es auch selbst wieder verschwinden lassen. Wir haben immer die FREIHEIT. Wir haben immer die WAHL.

Gegen das Verlangen kämpfen heißt, das Verlangen zu behalten Durch das Kämpfen gegen das Verlangen nach Alkohol, sind wir die ganze Zeit mit ihm beschäftigt. Was kannst du dann tun? Du kannst dich entscheiden, nicht zu kämpfen. Denk an etwas anderes, tu etwas anderes.

Mach eine Liste der Resultate, die du erreichen willst. Es können kleine Dinge sein, ganz gewöhnliche Dinge wie z.B. früher aufstehen können, mehr Zeit für deine Hobbies haben.
Schreib es auf. Schau dir die Liste nach einer Woche, nach einem Monat noch einmal an und achte vor allem auch darauf, was sich bereits verändert. Und darauf, was du sonst noch verändern willst.

Wird die Versuchung bleiben?
Die Versuchung wird bleiben. Sie wird allmählich an Stärke verlieren, aber sie wird bleiben.

Nehmen wir das Beispiel der Stammkneipe. Wenn wir dorthin gehen, nach der Arbeit zum Beispiel, und wir treffen unsere Freunde, kann es sehr schwierig sein, kein Bier zu bestellen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Wir gehen nicht mehr in unsere Stammkneipe oder wir gehen zwar hin, aber entwickeln andere Gewohnheiten in derselben Situation. Die anderen Gewohnheiten sind gar nicht schwer zu entwickeln. Wir können zum Beispiel mit dem Wirt oder der Wirtin der Kneipe absprechen, daß sie nicht mehr sofort ein Bier für uns fertig machen, sondern lieber einen Kaffee oder ein alkoholfreies Getränk.

Keinen Alkohol trinken ist ganz normal!
Sieh dich mal um, an einem sonnigen Nachmittag, irgendwo in einem Café. Zähl mal die Gläser Cola oder andere alkoholfreie Getränke, die Tassen Kaffee oder Tee. Du wirst erstaunt sein. Niemand findet es seltsam, dass du keinen Alkohol trinkst.

Darf ich denn nie mehr was trinken?
Nie mehr eine frisches Bier, nie mehr ein köstliches Glas vor dem Schlafengehen, nie mehr Wein? Es gibt keine absolute Antwort auf diese Frage. Du KANNST WÄHLEN. Du KANNST ÜBEN. Wenn es besser ist, keinen Alkohol mehr zu trinken, dann mußt du das so machen. Lerne für dich selbst, wie es am leichtesten geht und was gut für dich ist.

Wichtig ist und bleibt: Ändere die Situation, wenn die Situation dein Verlangen nach Alkohol steigert.
Denk an etwas anderes, tu etwas anderes.
Sprich mit jemandem.
Verschließe Dich nicht in einer Situation, von der du weißt, daß sie zu schwierig für dich wird.

Schreibe einmal auf, in welchen Situationen es für dich ‚schwierig‘ ist. Wo und wann? Suche dann für jede Situation eine mögliche Lösung: Was kann ich daran tun?
Was habe ich das letzte Mal getan?

Denke nach über die Momente, die Situationen, in denen du keinen Alkohol trinkst, in denen du nicht getrunken hast. Menschen übertreiben, Menschen verallgemeinern und sagen: Es ist immer so oder ich kann nicht anders oder ich kann niemals aufhören.

Schreibe auch die Momente auf, in denen das Verlangen nach Alkohol groß war, aber du trotzdem nicht getrunken hast. Warum war das so? Wie kam das? Suche eine Lösung.

Laß deinen Partner helfen
Sieh Dir die Liste noch einmal an mit den Veränderungen, die du erreichen willst. Kannst du das allein? Vielleicht ist es leichter, Hilfe anzunehmen. Der Alkoholiker muß lernen, daß Hilfe keine Kontrolle ist, sondern in jedem Fall gut gemeint.

Zehn Tricks um deinen Partner sicher wieder in den Suff zu treiben:
1. Kontrolliere ihn in allem und laß ihn das gut merken.
2. Wiederhole immer wieder seine Fehler aus der Vergangenheit, mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks.
3. Zeig ihm fortwährend, daß du ihm noch nicht vertraust.
4. Überlasse ihm keinerlei Verantwortung und mach alles selbst.
5. Erwarte, daß sein Charakter jetzt ganz anders werden wird.
6. Sag ihm: ‚Wenn du trinkst, bist du viel einfacher.‘
7. Trinke selbst weiterhin viel, in seiner Anwesenheit.
8. Sag ihm: ‚Willst du nicht doch noch einmal ein Gläschen trinken, eins kann doch nicht schaden?‘
9. Laß ihn überall außen vor, besprich und handele alles hinter seinem Rücken ab.
10. Sag in der Öffentlichkeit, bevor er selbst etwas bestellen kann: ‚Für meinen Mann keinen Alkohol!

Ratschläge um kontrolliert zu trinken:

  • Trinke nur, wenn du dich gut fühlst.
  • Trinke nie allein.
  • Trinke nie vormittags.
  • Trinke keine Spirituosen.
  • Trinke zwei Tage in der Woche gar nicht.
  • Nimm dir mindestens eine halbe Stunde Zeit, um ein Glas Alkohol auszutrinken.
  • Trinke nie alkoholische Getränke, um deinen Durst zu löschen.
  • Trinke mindestens sechs Mal von deinem Glas, bevor es leer ist.
  • Warte mindestens zehn Minuten, bevor du dein Glas auffüllen läßt.
  • Lerne Nein zu sagen, wenn dir ein Bierchen angeboten wird.
  • Trinke ein Glas Wasser zwischen zwei Gläsern Alkohol

Du wirst zwei Dinge schnell merken:

  1. körperlich wird es dir schnell besser gehen.
  2. du fühlst auch, daß du mehr Möglichkeiten hast, mehr Raum. Es ist schwer zu erklären, aber meistens bekommt man das Gefühl, daß man innerlich mehr Platz hat.

Ein wertvoller Tip:
Entscheide dich für eine bestimmte Marke Mineral- oder Quellwasser. Bestehe darauf, daß der Kellner dir die spezielle Marke, ‚deine‘ Marke bringt. Du hast dann – genau wie beim Wein – deine eigene ‚Wahl‘ getroffen.

Die goldene Regel:
Jede beliebige Maßregel, die drei Mal wiederholt wird und dann noch nicht gewirkt hat, wird wahrscheinlich nie helfen! Gib sie auf und probiere etwas anderes!

Rückfälle:
Zeitweise Alkohol trinken oder zu viel trinken, ist kein Drama! Niemand kann einfach, ohne Mühe, Abstand nehmen von seinen Gewohnheiten.

Wenn du wieder nüchtern bist, nimm dir dann einmal Zeit, um nachzudenken:
Sei ruhig, komm zu dir selbst, atme tief ein. Und laß dich nicht stören und sei ehrlich zu dir selbst:

  • Wieviel hast du getrunken?
  • Wie wenig hast du mal getrunken?
  • Wie lange hat das gedauert?
  • Wie lang war die Periode des Rückfalls?
  • Warum hast du getrunken?
  • Gab es einen Grund, einen Anlaß, eine Ursache?
  • Hat jemand anders dich auf die Idee gebracht?
    Hast du dich schon eine Weile mit der Idee herumgetragen, wieder etwas zu trinken?
  • Hast du versucht, ‚sozial‘ zu trinken und ist das nicht gelungen?

Aber vor allem: Wie und warum hast du aufgehört? Diese letzte Frage ist sehr wichtig. Darin findest du den Schlüssel: Wenn du aufgehört hast, kannst du es später noch einmal, und noch einmal.

Sucht ist eine Wahl!
In Ihrem Ratgeber haben Luc und Hans-Christoph den vielen möglichen Ursachen, die dazu führen können, daß jemand alkoholsüchtig wird, wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Sie haben lieber die Betonung auf die Wahl gelegt, die jeder hat –
und auf die Hoffnung, die immer besteht!

In Gedenken an Dr. Luc Isebaert

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