„Wenn wir nur einfühlsam zuhören, sitzen am Ende vier hilflose Personen zusammen und wissen nicht weiter.“ Mit diesem markanten Satz beschreibt Sebastian Baumann eine der grössten Herausforderungen im Coaching und in der Therapie: Die Balance zwischen Empathie und wirksamer Führung.
Zu seinem 50. Geburtstag werfen wir einen Blick auf das, was Sebastian als Dozent am wilob so einzigartig macht – und warum er gerade im komplexen Mehrpersonensetting (MPS) so geschätzt wird.
Pacing & Leading: Mehr als nur Wohlfühlen
In seinen Seminaren lehrt Sebastian, dass professionelle Begleitung weit über das blosse „Verständniszeigen“ hinausgeht. Er plädiert für eine gesunde Dialektik:
- Einfühlung (Pacing): Den Klienten dort abholen, wo er steht, und eine tragfähige Beziehung aufbauen.
- Führung (Leading): Den Mut haben, einen Unterschied zu machen. Denn ohne Führung bleibt das System oft in seinen eigenen, leidvollen Kreisläufen stecken.
Experte für komplexe Beziehungsdynamiken
Gerade wenn Paare oder Familien im Raum sitzen, zeigt sich Sebastians Meisterschaft. Im Mehrpersonensetting ist es die Regel, dass Klienten mit völlig unterschiedlichen Aufträgen kommen. Sebastian versteht es hier meisterhaft, die Allparteilichkeit zu wahren, auch wenn Täter-Opfer-Dynamiken oder grosse Unterschiede in der Kommunikationskompetenz das Feld schwierig machen.
Er arbeitet intensiv mit Konzepten wie:
- Differenzierung: Die Fähigkeit, ein klares Selbstbewusstsein zu bewahren, während man gleichzeitig emotional nah mit anderen verbunden bleibt.
- Emotionsfokussierung: Das Unterscheiden zwischen sekundären Emotionen (wie Wut oder Rückzug) und den darunterliegenden primären Emotionen wie Angst, Scham oder Einsamkeit.
- Zirkularität: Durch Methoden wie zirkuläre Fragen oder das Systembrett ermöglicht er den Klienten, die notwendige Beobachterposition einzunehmen.
50 Jahre klinische Präzision und menschliche Wärme
Wer Sebastian Baumann erlebt, spürt sofort die Verbindung aus klinischer Präzision und einer tiefen menschlichen Wärme. Er ist Dipl.-Psychologe, psychologischer Psychotherapeut und (Lehr-)Therapeut für Systemik, Hypnosystemik und Sexualtherapie. Trotz – oder gerade wegen – dieser beeindruckenden Fachlichkeit bewahrt er sich eine gesunde Portion Pragmatismus.
Sein Leitbild ist klar: „Wir behandeln nicht Menschen, wir laden sie ein, sich besser zu behandeln“. Er sieht Probleme oft als missglückte Lösungsversuche an und hilft Klienten dabei, unlösbare Probleme durch „resignative Reife“ zu akzeptieren oder eingefahrene Muster gezielt zu stören.
Herzliche Gratulation!
Sebastian versteht es wie kaum ein anderer, die „Grenze“ im Kontakt so zu gestalten, dass echte Veränderung möglich wird. Er fordert heraus, validiert gleichzeitig und bleibt dabei immer auf Augenhöhe.
Lieber Sebastian, wir gratulieren dir von Herzen zu deinem 50. Geburtstag! Wir freuen uns auf viele weitere Jahre voller inspirierender Impulse, tiefgründiger Fachgespräche und – vor allem – wirksamer Unterschiede am wilob!
Danke Sebastian, dass du am wilob Dozent bist und unseren Kursalltag so bereicherst!
Fachveröffentlichungen, Podcast und Anerkennungen
- Gemeinsam mit Dr. Wilhelm Rotthaus gibt Sebastian Baumann im renommierten Carl-Auer Verlag die Reihe „Störungen systemisch behandeln“ heraus.
- Er ist Mitautor des Werks „Basiswissen Systemische Therapie“ (Vandenhoeck & Ruprecht), das speziell als Vorbereitung auf die Approbationsprüfung für Psychotherapeuten dient.
- Er verfasste unter anderem das Vorwort für das Fachbuch „Systemische Therapie trifft EMDR“.
- Zusammen mit Prof. Dr. Enno Hermans moderiert er den monatlichen Podcast „Nicht wahr, aber nutzbar“, der sich mit Themen der systemischen Psychotherapie beschäftigt.
- Sebastian Baumann war als Vorstandsbeauftragter der Systemischen Gesellschaft (SG) massgeblich daran beteiligt, dass die Systemische Therapie in Deutschland als Kassenleistung anerkannt wurde. Für seine besonderen Verdienste in diesem Bereich wurde ihm im Juni 2024 die Ehrenmitgliedschaft der Systemischen Gesellschaft verliehen.
- Er ist Mitglied der deutschen Jury des Internationalen Psychologie Awards, zusammen mit weiteren Grössen wie Dr. Gunther Schmidt.