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FLOW IM GEHIRN

Wenn das „Ich“ Pause macht und Höchstleistung zum Kinderspiel wird

Haben Sie das auch schon erlebt? Sie gehen völlig in einer Tätigkeit auf, vergessen die Zeit, die Welt um sich herum und – am wichtigsten – sich selbst. Ob beim Musizieren, beim Sport oder in einem tiefen therapeutischen Gespräch: Wenn Anforderung und Können perfekt harmonieren, erreichen wir den Zustand, den der Psychologe Mihály Csikszentmihalyi als „Flow“ bezeichnet hat.

Doch was passiert dabei eigentlich in unserem Kopf? Dank moderner Bildgebungsverfahren (fMRT) wissen wir heute: Flow ist kein esoterisches Konzept, sondern ein präzise messbarer neurobiologischer Zustand.

Das „Gehirn-Profil“ des Flow-Zustands

Entgegen der Vermutung, Flow sei eine Art „Rausch“ oder reine Entspannung, zeigen Studien der Universität Ulm ein faszinierendes Muster von Aktivierungen und – noch spannender – gezielten Deaktivierungen:

  • Abschalten des „inneren Kritikers“: Im Flow wird der mediale präfrontale Kortex (MPFC) heruntergefahren. Da dieses Areal für Selbstreflexion und Grübeln zuständig ist, „verlieren“ wir uns im positiven Sinne selbst in der Arbeit.
  • Angstfreier Fokus: Auch die Amygdala (unser Angstzentrum) wird deaktiviert. Wir handeln mutig und konzentriert, ohne dass uns Sorgen oder Versagensängste bremsen.
  • Effizienz durch Automatisierung: Währenddessen laufen das linke Putamen und der inferiore frontale Kortex auf Hochtouren. Sie ermöglichen uns zielgerichtetes, fast automatisch ablaufendes Handeln und geben uns das tiefe Gefühl von Kontrolle.
  • Serotonin als Brücke: Neuere Analysen deuten darauf hin, dass die Raphe-Kerne im Mittelhirn hierbei eine Schlüsselrolle spielen. Sie schütten Serotonin aus, was vermutlich die Hemmung von MPFC und Amygdala vermittelt.

Warum das für Therapie und Beratung wichtig ist

Flow ist das Gegenteil von Stress, obwohl wir physiologisch hochaktiv sind. Für die therapeutische Arbeit bietet dieses Wissen enorme Chancen:

  1. Ressourcenaktivierung: Flow-Erlebnisse sind hochgradig belohnend und können helfen, aus negativen Gedankenschleifen (Grübeln) auszusteigen.
  2. Lernprozesse: Im Flow lernen wir effizienter, da Fehler nicht als Bedrohung, sondern als Information verarbeitet werden.
  3. Wohlbefinden: Flow ist ein Anreiz, bei einer Tätigkeit zu bleiben, einfach weil sie Freude bereitet – eine Form von intrinsischer Motivation, die weit über äussere Belohnungen hinausgeht.

Vertiefung

Wir am wilob integrieren diese Erkenntnisse der modernen Prozessforschung (wie z.B. auch das SNS von Günter Schiepek) konsequent in unsere Weiterbildungen, um die Dynamik menschlicher Veränderungsprozesse noch besser verstehbar und nutzbar zu machen. Auch im wilob Modell ist dies berücksichtigt.

  • Tipp 1: Wer mehr über Flow im Spitzensport erfahren will, sollte am 18.01.26 um 19:05 Uhr ORF 1 einschalten. In der Dokumentation sprechen Experten wie Steven Kotler und Damir del Monte über dieses Phänomen.
  • Tipp 2: Damir del Monte kann man übrigens wieder an unserer Tagung am 23./24.04.27 im KKL (Kunst- und Kongresshaus Luzern) erleben. Hier geht es zu weiteren Infos und zur Anmeldung.

Sind Sie bereit für Ihren nächsten Flow-Moment?

=> Für diesen Blogbeitrag hat uns Damir del Monte diesen Artikel über experimentelle Studien zum Flowerleben zur Verfügung gestellt.